Sonntag, 18. Februar 2024

Hasta Luego Suedamerika

So jetzt ist es soweit. Morgen werde ich in den Flieger nach Hause steigen und in Good Old Germany landen.
Ich weiss noch wie Heiko gesagt hat "Nicole, lass uns ein Around the World Ticket kaufen." Und ich gesagt habe, das wir dadurch gebunden waeren und was ist wenn es uns irgendwo gefaellt und wir bleiben wollen?
Jetzt bin ich froh, den letzten gueltigen Flug nach Hause nehmen zu koennen. Vor drei Wochen in Bolivien hatte ich die Eingebung: Mensch nach Hause, das wuerde mir gut gefallen. Und umsomehr ich darueber nachdachte desto aufgeregter wurde ich. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, so aufgeregt und happy war ich. Ich dachte mir, wenn ich morgen frueh auch noch so denke, sag ichs Heiko. Und so wars auch. Und er war so happy, das ich happy war, da waren wir ganz schoen happy.
Und ich war selber ganz ueberrascht, das ich auf einmal so fuehlte. Hatte ich doch noch ein paar Wochen zuvor das Gefuehl, mental ganz weit von zu Hause weg zu sein. Aber irgendwie hat sich das gekehrt und nun bin ich ganz froh und freue mich auf alle zu Hause.
Und auf Deutschland. Dazu muss ich ja mal was sagen. Wir stehen ganz schoen gut da, so allgemein. Die Deutschen sind gerne gesehen, jedenfalls dort wo wir waren. Wir gelten als nette umgaengliche Leute, gute Arbeiter und gute Denker, als Smart und Witzig! Ja, wir Deutschen haben Humor! Und auch die immer peinlich gemachte Sache mit den Struempfen in den Sandalen (was ja in den Medien immer so schoen aufgebauscht wird) haben wir auf unserer Reise nicht an Deutschen feststellen koennen, sondern an Englaendern, Franzosen und Amerikanern. Und es gibt so einige ¨westliche¨ Voelker dieser Erde die sich auf alle Faelle mehr daneben benehmen als Wir!
Dann ist da noch die Frage mit den Nazis und dem 2. Weltkrieg. Ein immer wieder gern diskutiertes Thema unter Reisenden. Viele sind es leid sich darueber auch nur noch den Kopf zu zerbrechen, und immer wieder sich rechtfertigen zu muessen. Das kann ich gut verstehen. Denn ich bin ja kein Nazi, also will ich auch nicht als solcher angesehen oder abgestempelt werden. Leider haben wir aber auch Deutsche auf unserer Reise getroffen, die denken 1. wir haetten den 1. und 2. Weltkrieg garnicht angefangen, und das mit den Juden sei ja garnicht bewiesen. Solange solche Meinungen herrschen und aus deutschen Muendern kommen, werden wir uns auch noch diesem Thema stellen muessen.
Jetzt muss ich euch mal sagen auf was ich mich freue in Deutschland:
Also: natuerlich auf meine Familie und meine Freunde aber auch auf deutsches Brot und auf unsere leckere Kueche. Einfach irgendwo essen und danach keinen Durchfall haben, keine Floh- oder Wanzenbisse. Mich mal wieder auf ein Klo setzen koennen.
Die Menschen auf der Strasse problemlos verstehen. Mich irgendwo auszukennen. Mal nicht meinen Rucksack aus- und einzupacken. Mich mal wieder schick machen. Meine Haare schneiden zu lassen. Auf den deutschen Weihnachtsmarkt gehen und Gluehwein trinken, mal wieder eine ganze Nacht zu guter Musik durchtanzen.
Einfach bei Freunden anrufen und auf ein Kaffee vorbeikommen. Auf die Kohlrouladen von meiner Mutter!
Ich liebe das Reisen, aber mir ist auch klar geworden wie toll eigentlich Deutschland ist.
In diesem Sinne, wir sehen uns!

Mittwoch, 7. April 2010

Über ein Jahr

Ein Jahr ists her. Mehr als eins. Und ein schönes noch dazu.
Mittlerweile hat Heiko seinen Meister in der Schneiderei gemacht. Ich habe mich selbständig gemacht und mache eine Weiterbildung zur Kunsttherapeutin. Aber ansonsten haben wir das Leben in vollen Zügen genossen. Wir haben viel mit unseren Freunden unternommen. Neue Freunde gewonnen, viel getanzt, viel gelacht...
Das Leben ist schön...
Ich sitze hier in unserer neuen Wohnung in der Nordstadt bei offenem Fenster, guter Musik und trinke Tucci - Nein Bionade!
Die Frage ob wir wieder losgehen stellt sich nicht- nur WANN. Ja wir wollen wieder los. Aber solange wir hier sind, geniessen wir das DAsein.

Ihr Auch?

Sonntag, 9. November 2008

Wieder DA

Hallo und Herzlich Willkommen,

bei Ich bin wieder da!
Die letzten drei Tage "meiner" Reise verbrachte ich bei Andre, in Sao Paulo. Sein Sohn Nicki war auch da, und Andre zeigte mir die Stadt und die Clubs von Sao Paulo, auf seinem Motorrad. Brasilien oder vielmehr Sao Paulo, kommen mir viel reicher vor, aber vielleicht liegt es auch nur daran das Bolivien viel aermer ist, und weil ich bei jemanden war, den ich kannte. Man bekommt zwangslaeufig einen anderen Eindruck von einer Stadt oder von einem Land, jenachdem wie man sich darin bewegt oder reist.Mein Flug sollte ja am 3.11. gehen, doch dieser hatte ein Problem mit der Benzinpumpe. Das konnte in 7 langen Stunden repariert werden und so flogen wir erst am naechsten Tag ab, und den Anschlussflug in London nach Hamburg erreichte ich nicht mehr. Das heisst, erst am naechsten Tag kam ich in Hamburg an. Als wir im Landeanflug auf Hamburg waren, kamen mir die Traenen so geruehrt und gluecklich war ich. Ich war wieder da. In Deutschland, meiner Heimat. Was mir dabei alles durch den Kopf ging, kann ich hier garnicht alles niederschreiben. Ich bin also durch die Passkontrolle mit einem Grinsen wie ein Honigkuchenpferd. Ich wusste ja, das niemand da war, weil mein Flug solche Verspaetung hatte und keiner wirklich wusste, wann ich nun lande. So hatte ich das ganze intensive Gefuehl nur fuer mich. Leider ging mein Rucksack auf dem Flug kaputt und ein Gepaeckstueck ging verloren. Nun das geht seinen Gang, ich war gluecklich hier zu sein.
Als erstes fuhr ich in die Stadt und ich habe ein Busticket auf Deutsch gekauft. Das war toll!
Ich fuhr in die Stadt hinein und erkannte den ein oder anderen Laden oder eine Strasse wieder. Und es war wie immer. Es hatte sich garnichts veraendert. Das hatte mich ueberrascht. Und auch als ich spaeter meine Freundinnen in den Arm nahm, fuehlte es sich wie immer an: GUT.
Als ob ich garnicht so lange weg war. Kam das nur mir so vor. Ein Jahr fliegt wie im Flug, das kam mir frueher so vor. Mein letztes Jahr nicht. Am naechsten Tag gings dann zu meinen Freunden nach Hannover und anschliessend zu meinen Eltern. Oh mein Gott ich kann garnicht sagen wie das alles war. Ich kann nur sagen: ich war besoffen vor Glueck. Dann mein Geburtstag und die kleine aber feine Feier. Da hatte ich so viele liebe Menschen um mich, kann es einem Menschen besser gehen? Ich glaube nicht. Es waere natuerlich toll, wenn Heiko dagewesen waere, aber sonst war ich wunschlos gluecklich.Allerdings merkte ich am darauffolgenden Tag das es wohl ein wenig zu schnell ging, meine Eingewoehnung in Deutschland. Ich konnte den neuen Kochherd meiner Mutter nicht bedienen. Die Kaffeemaschine und auch den Ofen nicht. Luxuswelt Deutschland, daran muss ich mich erstmal wieder gewoehnen. Wie um wieder "runterzukommen" sah ich mir Bilder von Bolivien an und die Dinge aus meinem Rucksack. Einfache Dinge, Dinge die ich kannte und die einfach funktionieren. Es geht also auch in die andere Richtung, man kann sich auch an nicht soviel Luxus gewoehnen. Die naechsten Tage verbrachte ich mit Arbeitsamt und sortieren meiner Sachen. Wir hatten ja fast unseren ganzen Haushalt aufgegeben, aber ich empfinde all diese Sachen immernoch zuviel. Ich brauche keine 20 Handtuecher oder 20 paar Bettwaesche. So werde ich im kommenden Fruehjahr Samstags Flohmarkt machen.Ich wohne jetzt in der Nieschlag WG. Alles Leute, die ich von frueher kenne, und ich geniesse die Abende bei Kaminfeuer, mit quatschen und Backgammon spielen.
Manchmal gehen wir auch tanzen. Ach ich find mein Leben toll!

Uebrigens kommt Heiko am 29.12.08 wieder und wir werden hier in der NieschlagWG eine SilvesterParty machen. Wer noch nichts vorhat, ist herzlichst eingeladen und willkommen.
Eure nicki lauda

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Peru 2

Unser Inkatrail

Puno ist zwar ganz nett aber eigentlich wollen wir mal weiter. Jeden Tag gehen wir wieder zum Busbahnhof und fragen wann denn wieder ein Bus nach Cusco faehrt. Nach endlich drei Tagen sollen sie wieder fahren und wir nehmen den erstbesten. Nicole wird langsam nervoes, denn es sind nur noch sechs Tage bis zu ihrem Abflug von Lima nach Sao Paulo. Und wir wissen noch nicht ob auch auf dieser Strecke Blockeos sind.
Also steigen wir in unseren Bus am naechtsen Morgen und koennen es garnicht glauben das er wirklich abfaehrt. Endlich!
Doch leider kommen wir nicht sehr weit. Die Fahrt sollte eigentlich 7-8 Syunden dauern und wir stoppen aber nach 4 Stunden. Es gibt eine Blockade. Vor der Blockade stehen schon andere Busse und die Busfahrer verhandeln mit den Streikenden wann sie denn passieren koennten. Heute abend um sieben. Es ist gerade mal ein Uhr. Hmm. Aber es ist nichts zu machen. Wir muessen warten. Gluecklicherweise laesst man uns aber doch auf einmal um fuenf durch. Wir fahren einen Kilometer und kommen zur naechsten Blockade. Die Leute sagen vor heute Nacht ist nichts zu machen. Wieder warten. Aber man laesst uns nach zwei Stunden durch. Leider bringt uns auch das nicht viel. Nach ein paar Kilometern ist wieder eine Blockade. Die Groesste. Und hier sind die Menschen richtig aggressiv und lassen garnicht mit sich verhandeln. Sie schmeissen mit Steinen und beschmieren unseren Bus. Vor morgen frueh kommen wir nicht durch. Dann kursieren Geruechte das wir vielleicht heute nacht um zwoelf weiter koennen, andere sagen das sie nicht wissen wie lange die Leute hier streiken wollen. Vielleicht dauert es auch noch ein paar Tage. Ein Typ im Bus hat Kontakte nach Lima und organisiert einen Kleinbus fuer seine Reisegruppe. Sie koennen auf Umwegen nach Cusco kommen, aber die Riesenreisebusse eben nicht.
Also heisst es im Bus uebernachten. Das Gute ist wir lernten auf der Fahrt eine Deutsche kennen. Sie kommt aus Hannover. Wenn das mal kein Zeichen ist. Wir haben ihr gleich mal das Hannoverlied vorgesungen und die findet es natuerlich grossartig. Als es am naechsten Morgen daemmert, sehen wir Leute mit ihrem Gepaeck von der anderen Blockadenseite ruebermarschieren. Sie wollen die Busse tauschen. Als es immer heller wird, haben die meisten ihr Gepaeck auf dem Ruecken und machen sich auf zur naechsten Stadt, um vielleicht ein Minibus nach Cusco zu ordern. Die Strassensperre ist riesig. Ueberall liegen riesige Steine auf der Fahrbahn und Feuer gibt es auch. Als es sieben Uhr morgens ist, sieht es aus wie auf einer Voelkerwanderung. Die Leute aus Lima wollen alle nach Puno und nach La pAz und wir wollen nach Cusco. Hunderte von Menschen sind auf der Strasse. Die Busse sind leer. Wir fragen warum sie streiken und es gibt viele Gruende. Zum einen werden in Peru immer mehr amerikanische Produkte verkauft und auch noch so billig, das die einheimische Bevoelkerung keine Chance mehr hat ihre Sachen zu verkaufen. Ausserdem ist die jetzige Regierung wohl auch ziemlich korrupt. Das ist das was wir hoeren.
Wir laufen mit unseren Rucksaecke in die naechste Stadt, das waren schon ein paar Kilometer, und fragen uns zum Busbahnhof durch. Es gibt natuerlich keine Busse. Aber im naechsten Dorf. Also ordern wir ein kleines Minituktuk (die gibts hier auch, nicht nur in Asien) und wollten bis zum naechsten Dorf fahren. Der TukTukfahrer muss mehrmals einen anderen Weg suchen, denn die Strassen sind alle mit Steinen blockiert. Also wieder Rucksaecke auf und los. Bis zum naeschten Dorf. Zwischendurch ueberholen uns Laster, voll mit Menschen, wir sehen auch welche aus unserem Bus. Sie brettern einfach ueber die Steine oder fahren halsbrecherische Schlenker. Im naechsten Dorf gibts wieder kein Bus. Man erzaehlt uns das bis zum Dorf soundso die Strassen blockiert sind. Danach ist freie Bahn. Bis dahin ist es aber noch ganz schoen weit. Also organisieren wir wieder ein TukTuk und wollten bis zum naechsten Dorf fahren. Fuer die Einheimischen ist das hier ein Bombengeschaeft. Sie kassieren dreimal soviel wie sonst, und es gibt ja haufenweise Leute die weiterwollen. Unser TukTuk hat leider keine Bremsen deswegen werden wir oben auf einem Berg rausgelassen und die restlichen Kilometer muessen wir laufen. Bow, war das anstrengend. Auf dem Weg haelt ein Viehlaster und nimmt uns ein Stueck des Weges mit. Dann wieder laufen. Endlich im Dorf angekommen fragen wir nach einem Autotaxi und es gibt tatsaechlich grad eins. Wir fahren mit 9 Leuten und Gepaeck eine Alternativstrecke bis zur letzten Station der Blockeos. Unsere Mitfahrer sind Leute aus Cusco, die schon seit zwei Naechten in der Blockade feststeckten. Wir kamen an wunderschoenen Lagunen vorbei, und es war echt eine schoene Strecke. Insgesamt waren es 20 km. Spaeter hoerten wir das viele diese Strecke mit ihren Rucksaeckern komplett laufen mussten. In der Hitze und kein Taxi kam vorbei. Wir hatten echt Glueck. Der Taxifahrer laesst uns an einem Fluss mit einem Haeschen raus, und sagt, von hier fahren Minibusse nach Cusco. Und wie durch ein Wunder sassen wir tatsaechlich keine fuenf Minuten spaeter in einem Minibus nach Cusco. Wir hatten echt Schwein, nach 28 Stunden Fahrt und Wandern erreichten wir Cusco.
Da wir jetzt drei Tage in Puno festsassen und auch noch einen ganzen Tag auf dem Weg nach Cusco verloren haben, ist jetzt leider keine Zeit mehr den Inkatrail oder eine ALternativroute zu laufen. Was wir ja eigentlich machen wollten. Also mussten wir nun die schnellere und teurere Variante machen. Von Cusco fahren Busse ins Urumbambatal. Von da aus gings nach Ollantaybamba. Und dann mit dem teuren Zug bis nach Aquas Caliente. Diese Fahrt geht durch das heilige Tal und es ist herrlich. Die hohen Berge, Wasserfaelle und Fluesse. Es ist total schoen. Als wir in Aquas Caliente ankommen, kaufen wir gleichmal ein Eintrittsticket fuer den Machu Picchu (Quechua: alter Berg), denn sie lassen am Tag nur begrenzt Leute rein.
Am naechsten Tag hiess es dann um halb fuenf aufstehen und mit dem Bus hoch nach Machu Picchu. Wir sind einer der ersten, die die Anlage betreten, und wir hatten fuer ganz wenige Minuten die Aussicht auf Machu Picchu ganz fuer uns allein.
Man weiss leider immernoch nicht wofuer Machu Picchu eigentlich war. War es Zufluchtstaette als die Spanier kamen? Andere behaupten es war eine heilige Staette fuer Zeremonien und andere sagen die Anlage war nie ganz fertig gebaut und auch mitten in der Bauphase einfach verlassen worden. Sie waere jedoch autark gewesen, denn die Terrassen waeren zur landwirtschaftlichen Bebauung gedacht. Die Anlage ist vom Tal aus nicht einsehbar, aber von oben kann man das ganze Tal ueberblicken. Es ist also eine sehr gute und auch strategische Lage.
Da ist der Sonnentempel, in der Wissenschaftler das ganze Jahr damit beschaeftigt waren, den Verlauf der Sonne zu studieren. Ausserdem waren da noch der Koenigstempel und die Zeremoniebrunnen sowie den Wohn- und Handwerkerkomplex.
Hinter der Anlage schaut man auf einen Berg, den Wayna Picchu, auf dem der Mondtempel thront. Der Aufstieg ist relativ steil aber bestimmt sehr anstrengend aber man wird mit einer super Aussicht belohnt. Die Voegel fliegen um einen rum und Machu Picchu sieht ganz klein von hier oben aus.
Den Nachmittag verbrachten wir einfach liegend im Gras und alles auf uns wirkend in der Sonne.
Der eigentliche Abstieg ins Tal liess unsere Beinmuskeln zittern. Diesmal auch Heikos.

Und nun haben wir solchen Muskelkater das wir aufstoehnen wenn wir Treppen steigen oder runterlaufen muessen. Kostenlos dazu, haben wir Floehe, diesmal auch Heiko.Denn hier in Cusco laufen so viele Flotaxen herum, dass es leicht sich diese bekloppten Dinger zu holen.

Peru 1

Puno und die Uros

Puno, das ist eine Stadt am Titicacasee auf peruanischer Seite. Eigentlich wollten wir durchfahren bis nach Cusco, doch die Campesinos haben die Strassen fuer drei Tage gesperrt und nun sitzen wir hier fest.
Um die Tage sinnvoll zu nutzen, sind wir zu den Uros gefahren. Das ist ein Volk, das auf dem Titicacasee, auf schwimmenden Inseln lebt. Es ist gnadenlos von Touristen ueberlaufen, aber es ist trotzdem einmalig.
Frueher haben sie auf ihren Schilfbooten kleine Haeuschen gehabt. Dann haben sie aus Erde eine Art Fundament gebastelt und in vielen, vielen Schichten totara Schilf (das hier am See zuhauf waechst), uebereinander gelagert.Da das Schilf und die Erde von unten verrotten, muss man von oben immer nachlegen. Deshalb ist der Boden weich und federnd. Die Uros sind nur ein kleiner Stamm, reinbluetige gibt es nicht mehr, sie haben sich durch Heiraten mit den Ayamaras gemischt. Auf ihren schwimmenden Inseln leben sie schon seit Jahrhunderten, als sie vor den kriegerischen Collas (die auch hier in der Naehe gelebt haben) und den Inkas gefluchtet sind.
Alles bei den Uros dreht sich um Schilf, sie bauen ihre Haeuser und ihre Boote damit und verwenden es auch um Kunsthandwerk herzustellen.
Nicole unterhaelt sich mit einem der Inselbewohner, sie fragt ob sie sich alle kennen auch von den Nachbarinseln. Ja, man kennt sich. Man ist eine Gemeinde und am Ende jedes Monats ist eine Versammlung in der man Probleme diskutiert und sich trifft um zu erzaehlen. Was es denn fuer Probleme gaebe zur Zeit? Im Moment macht eine Familie Stress. Sie will eine Insel durchteilen, denn sie verstehen sich nicht mehr mit den anderen. Das ist ein grosses Problem. Er hofft das sich die Situation wieder beruhigt. Einer seiner Toechter faehrt mit dem Boot vor auf die andere Insel. Das kleine Maedchen in der Mitte heisst Katrin-Nicole. Hier ein Gruss an Nicole`s Schwester!

Dienstag, 21. Oktober 2008

Bolivien 5

Die Inkas, der Titicacasee und die Isla del Sol

Von unserem Hostal in La Paz fahren wir mit einem Collectivo zum Cementerio, dort sollen die Busse nach Copacabana abfahren. Als wir aussteigen wird uns auch gleich ein Busticket angboten. Das Panorama auf der Fahrt nach Copacabana ist eher karg und trocken. Am Horizont sieht man die schneebedeckten 6000er. Mitten in der Pampa kommt uns eine Gruppe Campesinos entgegen. Sie haben Banner und rufen Sprechchoere. Angeblich hat sich Evo am selbigen Tag mit der Opposition auf eine Verfassung geeinigt, und das muss natuerlich laustark verkuendet und auch betrunken werden. Kurz vor Copacabana muessen wir aussteigen und mit der Faehre uebersetzen. Dann gehts weiter nach Copacabana.
Der Titicacasee soll der hoechste schiffbare See sein, er liegt auf 3820m und ist mit seinem saphirblauen Wasser einfach herrlich anzuschauen, inmitten der kargen Berge des Altiplano. Um den Titicacasee liegen die traditionellen Ayamara Doerfer, die Frauen dort haben etwas andere Roecke und Huete als die Quechua Frauen. Das, und die sagenumwobene Geschichte der Inkas zogen uns in ihren Bann.
Als wir abends in Copacabana ankamen, sahen wir gerade noch den blutroten Sonnenuntergang der den See in eine mystische Stimmung versetzte. Ein Junge kam auf uns zu, ob wir schon eine Unterkunft haetten. "Nein, noch nicht." Wir gehen mit ihm, und bekommen eine billige Unterkunft bei seiner Familie, und ein seit langem richtig gutem Bett. Wir schlafen wie die Babys. Das war auch gut so, denn am naechsten Morgen wollten wir 18km von Copacabana nach Yampupata wandern. Und das war wirklich anstrendend, in der Hoehe hoch und wieder runter, aber wir wurden mit tollen Aussichten und vielen kleinen Doerfern an der Wegstrecke belohnt. Die Leute arbeiteten auf den Feldern und hielten inne fuer einen kleinen Plausch mit uns. Die Kinder spielten mit den Hunden und den Schweinen. Oder sie geleiteten ihre Lamaherde auf den Weg nach Hause.
In Yampupata setzten wir dann mit einem kleinen Fischerboot auf die Isla del Sol ueber. Die Insel soll ja der legendaere Ort sein wo die Inkas erschaffen worden und nach der Inkamythologie auch die Sonne. Auf der kleineren Insel, Isla del Luna, sollen einst die Jungfrauen der Sonne gewohnt haben.
Auf der Isla del Sol angekommen muessen wir dann die Inkatreppe hochlaufen, die mir, Nicole, den Rest gegeben hat. Endlich oben angekommen wollte ich nur noch essen und mich ausruhen. Wir assen Trucha, das ist der einheimische Fisch aus dem See. Eine Art Forelle und schauten uns den Sonnenuntergang an.
Am naechsten Tag sind wir dann vom Suedende ans Nordende gelaufen, um uns die Inkaruinen anzusehen, die Staette des heiligen Felsens, da wo die Schoepfungslegende ihren Ursprung hat. Auf dem Rueckweg zur Faehranlegestelle kommen wir wieder an kleinen Doerfern vorbei. Die Dorfbeowhner treiben ihre Esel vor sich her und wir muessen aufpassen nicht in die Esel-, Lama- oder Schafscheisse zu treten.
Nun sind es nur noch 3 Stunden bis zu unserer Abreise nach Peru, und unsere Faehre kommt gerade 20 Minuten vor Abfahrt wieder in Copacabana an. Am Bus erklaert man uns das es heute keinen Bus nach Cusco gaebe, nur bis nach Puno. Auch die Campesinos in Peru demonstrieren gegen ihre Kreolenregierung. Wir hoffen das wir morgen weiter koennen, denn Machu Pichu wartet auf uns.
Bolivien ist wohl das urspruenglichste Land mit seiner fast 60% indogenen Bevoelkerung. Man bekommt hier einen tollen Einblick wie es vielleicht mal zu Inkaszeiten war.
Ein absolutes Highlight ist die Webkunst. In ganz Suedamerika wird diese Kunst verkauft, aber sie kommt aus Bolivien und Peru. Diese Kunst war fast ausgestorben, doch die Campesinos haben sie wieder aufleben lassen und diese Kunst muss man honorieren. Leider gibt es viele Touristen die echte Alpacawolle fuer einen Spottpreis haben wollen. Das fuehrt dazu das manche Firmen in China produzieren lassen und sie dann den Touristen als echt Alpacawolle verkaufen. Die Touristen haben dann das Gefuehl ein echtes Schnaeppchen gemacht zu haben. Das widerum bedeutet das ein Handwerk den Boden verliert und viele Menschen ihren Beruf und ihre Nahrungsgrundlage fuer ihre Familie.
Was uns hier klargeworden ist: wir muessen unser Konsumverhalten aendern! Echte Handwerkskunst und Handarbeit hat ihren Preis und der muss bezahlt werden. Wenn man bedenkt das manche Familien 500 Bolvianos verdienen, das sind 50 Euro im Monat!
Viele schimpfen auf China weil sie solche Umweltverschmutzer sind, aber wer laesst dort produzieren, wer will alles schoen billig? Doch wir, die westliche Welt. Die die das Geld haben. Und wenn es eines Tages zu Umweltkatastrophen kommt und wir Wassermangel haben, dann sind die ersten Menschen die darunter leiden werden, die armen Menschen, die die in den Bergen leben. Die die ihr Wasser von den Baechen bekommen, weil sie kein Geld haben sich eine Wasserleitung zu legen. Wir jedoch werden uns einfach Wasser einkaufen, dabei haben wir mit unseren industriellen Machenschaften erst alles in die Wege geleitet.
Eins ist klar: wir muessen umdenken. Wir leben auf Kosten anderer!

Nach nun 49 Tagen sagen wir wehmuetig "Auf Wiedersehen Bolivien"

Kosten, mit allem: Hinflug von Chile, Flug von Santa Cruz nach Sucre, 3 woechiger Sprachkurs mit einer etwas elitaeren Unterkunft, Essen und alles was man zum Leben so braucht haben wir 25 Euro pro Tag/ pro Person ausgegeben.

Freitag, 17. Oktober 2008

Bolivien 4

Sucre, Tarabuco, La Paz und Coroico

Als wir in Sucre wieder ankommen, werden wir herzlichst empfangen, von Ingrid, Olga, Rufi und Elsa aus dem Kulturinstitut, die das Cafe Berlin fuehren. Dann sind da noch die zwei Maedels aus Argentinien die Ihren Schmuck auf der Plaza verkaufen. Schoen, wenn man nach so kurzer Zeit einen sozialen Kreis hat. direkt vor unserer Unterkunft im Goetheinstitut
Bei Olga gabs jeden Mittag Schlampekuchen (Schlammkuchen) und wie sie sich immer gefreut hat wenn Heikol kam! Heikol und Nicol, das fand sie richtig witzig.
In Sucre sollte ja eigentlich unser Rueckflug nach Santa Cruz gehen, den wir aber kurzerhand nicht wahrnahmen, denn in Santa Cruz sind schon wieder Blockaden und Nicole hat sich entschieden nun doch ihren letzten Flug nach Hause zu nehmen. Und vorher will sie noch den Machu Pichu sehen, das heisst wir haben nicht mehr allzuviel Zeit. Bei den Entfernungen, und stundenlangen Busreisen, muss man sich fruehzeitig entscheiden in welche Richtung man faehrt. Olga und Ingrid
Bevor wir aber Richtung La Paz aufbrechen, wollten wir nochmal nach Tarabuco. Das ist en kleines Dorf, mitten in den Bergen, in der Naehe von Sucre. Die Dorfbewohner der umliegenden Doerfer um Tarabuco, kommen alle am Sonntag, um Waren zu tauschen, zu kaufen und um sich einfach das Neueste zu erzaehlen. Wir fahren schon am Samstag nach Tarabuco, um mal zu sehen wie das Dorf ohne Markt aussieht und was da so los ist. Aber gerade an diesem Samstag ist eine Entrada, zu Ehren des Dorfheiligen. Fast alle Leute aus den umliegenden Doerfern tragen noch ihre traditionelle Tracht, was einfach schoen anzusehen ist.
Von Sucre wollten wir dann eigentlich nach Cochabamba, doch leider gabs keine freien Plaetze mehr und direkt nach La Paz auch nicht. Wir entschieden uns kurzerhand um und fuhren nach Oururo. Die erstmal 10 stuendige Busfahrt brachte uns morgens um fuenf nach Oururo und dann stiegen wir in den naechsten Bus nach La Paz, nochmal dreieinhalb Stunden. Wir waren ganz schoen im Eimer, als wir dann endlich im Hostal ankamen. Fuer den naechsten Tag buchten wir eine Tour, wir wollten mit dem Fahrrad die Todesstrasse runterfahren. Am naechsten Morgen um 7.00 Uhr gings los. Wir starteten in 4700m Hoehe und fuhren die mal gefaehrlichste Strasse der Welt runter. Die Strasse ist so schmal das ein Auto problemlos fahren kann, aber der Fahrer muss trotzdem aufpassen auf Schnee und Naesse. Und wenn dann noch ein anderes Auto von vorne kommt, und man es nicht rechtzeitig gesehen hat, muss man rueckwaerts wieder zurueckfahren, in eine kleine Ausbuchtung. Bei diesen Mannoevern sind schon viele Autos abgestuerzt. Im Jahr bis zu 200 Tote. Mittlerweile haben sie eine andere Umgehungsstrasse fuer den Verkehr La Paz-Coroico gebaut, und nur noch die Tourunternehmen mit den Fahrradfahrern duerfen daruntersausen. Leider sind auch beim Fahrradfahren Leute die Schluchten runtergestuerzt, weil sie einfach zu schnell waren, es nass war usw.
Wir haben diese Tour echt genossen. Es war toll endlich mal wieder auf einem Fahrrad zu sitzen, und man merkte wie es immer waermer wurde, um so naeher man nach Coroico, den Yungas kam. In den Yungas wird Coca angebaut. Todesstrasse die Yungas
In Coroico haben wir in einer kleinen Lodge am Waldrand uebernachtet, von wo man einen fantastischen Blick ueber die Yungas hatte und wunderschoene Wege wandern kann, wenn man den Weg findet.
Leider hatte es auch geregnet, aber so ist es nun mal im Regenwald. Aber halb so schlimm, es war ja warm. Wieder in La Paz angekommen, fuhren wir nach El ALto, wo die Ayamara leben. Evo Moralez ist auch ein Ayamara. Uebrigens sind ueberall im Lande, an den Haeusern, Sprueche aufgemalt, die zeigen wie sehr sie Ihren Praesidenten wollen, hinter ihm stehen und unterstuetzen. Natuerlich nur im Hochland. junger Coca
Wir gehen ueber den Markt in El Alto, halten hier und da an und fragen: "Was ist das?" oder "Fuer was benutzt ihr es..?" Die Ayamara sind ganz nette Leute, finden es amuesant was wir alles wissen wollen. Sie fragen, woher wir sind.. "Ah Alemania, que bien." Es ist so toll sich mit Ihnen unterhalten zu koennen. Nicole verschenkt noch ein Kuscheltier und Luftballons. Die Leute lieben uns. Als wir so weitergehen, startet gerade eine Demonstration. Wir fragen gegen was oder wen demonstriert wird. "Gegen Santa Cruz, die Criollos (Kreolen) und ueberhaupt..." Sie winken und fordern uns auf mit ihnen mitzugehen. Demonstration Spontan gehen wir mit, und werden auch gleichmal fotografiert und werden wahrscheinlich in der Morgenzeitung von Bolivien zu sehen sein. Die Ayamara findens witzig, wir auch, aber dann fliegen Steine und wir hauen ab. Gottseidank ist nicht passiert.
(Exkurs: die indogene Bevoelkerung in den Anden heissen Campesinos, Criollos oder Kreolen sind die in Lateinamerika geborenen Spanier und die Cholos sind die Spanisch-Indogenen Mischlinge.)

Morgen werden wir Richtung Copacabana und Isla del Sol fahren und dann heisst es Abschied nehmen von diesem tollen Land. typische Kleidung der Ayamara FrauenBolivien ist eine Reise wert!